“Das System ist unsicher, schützen Sie sich davor.”

Oktober 31st, 2007 | Benjamin | Überwachungsstaat

So oder so ähnlich könnte man das umschreiben, was die Passbehörde von Lübeck bezüglich des mit RFID verseuchten Reisepasses zu verlauten hat. Auf heise.de heißt es:

Neben dem Angebot zum Kauf einer Alu-Hülle hält man in Lübeck ein Hinweisblatt (PDF-Datei) bereit, das erklärt, wie der Datenmissbrauch verhindert werden kann. Die Informationen stammen vom unabhängigen Landeszentrum für Datenschutz in Schleswig-Holstein (ULD), dessen Leiter Thilo Weichert in Lübeck erklärte: “Ohne dass ein Mensch dies merkt, kann ein Angreifer, der einige Zusatzinformationen besitzt, die er sich anderweitig beschaffen kann, die biometrischen Daten des Passes auslesen und elektronisch die Anwesenheit des Passinhabers beziehungsweise des Passes feststellen und elektronisch speichern. Werden Passdaten illegal ausgelesen, so können diese auf ein gefälschtes Dokument kopiert und zum Identitätsdiebstahl missbraucht werden. Mit Hilfe der von uns angebotenen Alu-Hülle wird diese Form des Datenmissbrauchs weitgehend ausgeschlossen.”


Okay.
Bitte – was?!
Da hat man die Dreistigkeit, einen Reisepass einzuführen, der den Besitzer sich schon allein durch die Abnahme des Fingerabdruckes wie einen Verbrecher fühlen lässt und gibt dann noch durch die Hintertür (offiziell geht das ja nicht) zu, dass das System unsicher ist und aus einer Entfernung von ein paar Metern Daten ausgelesen werden können. Super. Besonders bitter (auch aus dem Artikel):

Mit der Alu-Hülle will man in Lübeck keine Ängste schüren. Das Angebot versteht sich als Hilfe zum Selbstschutz der eigenen Daten, der bei zunehmender Datensammelwut vieler Stellen immer wichtiger wird.

“Diese Kaffeemaschine könnte explodieren, bitte stellen Sie sie hinter Panzerglas.”
Biometrie? Nein, danke. Nicht, solange ich selbst für eventuelle Identitätsdiebstähle haften muss. Irgendjemand muss sich mal um die Verantwortlichen für diesen ach so sicheren Reisepass kümmern.
Es kann doch nicht angehen, dass Herr Otto Schily an der ganzen Geschichte durch den Sitz im Aufsichtsrat zweier Biometriefirmen womöglich auch noch an der Sache beteiligt wird und sich dann noch weigert, Auskunft über seine sonstigen Nebeneinkünfte zu geben. Da stimmt doch was nicht.


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