Indiana Jones und der Schatz der Kinokasse
So oder so ähnlich hieß Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels wahrscheinlich während der Entstehung des Drehbuches. Wieso Sean Connery nicht mitspielen wollte, wird einem gleich zu Anfang des Filmes klar – später im neuen Indy-Streifen fragt man sich als eingefleischter Fan aber, wer das Drehbuch denn verbockt hat. (Vorsicht, dieser Artikel enthält Spoiler.)
Ja, ich oute mich als einer, jemand, der alle Indy-Teile in- und auswendig kann, die Spiele gespielt hat und sogar die Drehbücher der alten Filme gelesen hat. Ich mag Indiana Jones aus gutem Grund: Es ist solider Film, anders als die meisten Produktionen heutzutage. Sicherlich mögen auch die alten Filme auf Profit aus gewesen sein, aber denen merkt man das im Gegensatz zum neuesten Teil nicht an.
Eine Szene am Anfang zeigt denn auch schon, wie man mit großen Explosionen Besucher anlocken will: Indy findet sich in einem idyllischen Städtchen wieder, das vollgestopft mit Dummies ist. Eine Ansage sowie einen Schnitt auf eine Atombombe später weiß man dann auch bescheid, Indy versteckt sich im bleiverkleideten Kühlschrank, fliegt geschätzte 2 Kilometer durch die Gegend und fällt dann erst mal aus dem angekokelten Kasten. Wo ist das bitteschön Indy? Das hätte man auch rauslassen können.
Wieder mal war es so, dass man im Trailer die komplette Handlung und die besten Szenen herausposaunt bzw. gezeigt hat. Dieser Trend geht mir auf den Senkel, noch schlimmer aber fand ich, dass man mit dem vierten Indiana-Jones-Teil die Serie verhunzt hat. Außerirdische, okay, aber sie in einem Indy zu zeigen ist Frevel und Indy ist keine Science Fiction, Indy ist Abenteuer, Mystik und Humor. Letzterer kam nicht zu kurz, manche Gags waren wirklich gut, so beispielsweise die Vater-Sohn-Witze oder das in die Erinnerung rufen der Schlangenphobie Indianas. Dennoch, viele Scherze waren keine oder einfach nur sehr, sehr trocken.
Hollywood hat in der Grabbelkiste einen erfolgreichen Helden gefunden und neu aufgekocht, was man allein daran merkt, dass sie eine ET-Variante eingebaut haben. Das lässt doch sehr deutlich darauf schließen, worauf sie aus sind – Zuschauer und damit Geld. Schlecht war der Streifen nicht. Wenn man dann ab und an mal das Hirn abschaltet, ist der Film wohl auch ganz erträglich… aber wenn man nicht vorher schon Indy-Fan war, kann man sich das sparen, glaube ich, dafür lohnt er sich nicht und auch viele Gags wird man nicht verstehen, was angesichts der wenigen Pluspunkte, die das rar aufkeimende Indy-Feeling mit sich bringt, aber wirklich ein Verlust ist.
Das Ende ist dennoch ein Schlag ins Gesicht eines jeden Liebhabers der Trilogie: UFOs, Aliens und eine Heirat haben mit Indy einfach nichts gemeinsam. Wer auf immer das Drehbuch geschrieben hat, sollte seine Hände in die Hose geklebt bekommen und, um nicht zum Diktieren zu kommen, lebenslang Frösche von der Größe eines Handballs im Hals haben.
Insgesamt gebe ich dem Film 6 von 10 Punkten, mehr wäre dringewesen, wäre das Ende nicht so furchtbar gewesen. Ein Indy-Bonus ist dabei definitiv vorhanden, aber auf 7 Punkte kann ich nicht hochgehen. Ich für meinen Teil würde den Film gerne nochmal in HD ansehen, aber jedem anderen potentiellen Kinobesucher, der nicht sowieso Indiana-Jones-Fan ist, möchte ich vom Unterstützen der Remake-Fortsetzungs-Fortsetzung-Manie abraten. In diesem Sinne: Hut ab, Mr. Jones – hoffentlich für immer.
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