Von Menschen und anderen Tieren
Manche Fernsehsender zielen offensichtlich darauf ab, den Zuschauer bei sich zu behalten, indem man ihm schmeichelt. So geschehen gestern bei RTL in der neuen, superspannenden Show “Mensch gegen Tier”. Da ging es nämlich nicht mit rechten Dingen zu.
Ein Falke gegen einen Skydiver. Klingt spannend, könnte es auch sein. Aber der Mensch gewinnt. Meiner Meinung nach unverdient – wieso? Ganz einfach. Während die Falkendame lediglich ein paar hundert Meter Gas geben muss, um ihren Köder zu erwischen, hat der Skydiver lange, lange Zeit, auf maximale Geschwindigkeit zu kommen. Mensch gewinnt, ist doch klar.
Brüllaffe gegen Marktschreier. Nun war mir der Kerl ja ganz sympathisch (der Homo Sapiens), aber ich zweifelte an dessen Sieg. Wieso? TÜV-Fuzzi wird neben das Affengehege gestellt, oben (mit Gitter verschlossen) klettern die Tierchen herum und unten, auf dem Gang hinter verglastem unteren Gehegebereich, steht unser Techniker und hält sein Mikrofon vor sich hin. Affe brüllt irgendwann los, ja, so etwa 105 Dezibel laut ist das dann. Aha. Der Marktschreier darf später dann auf einem abgelegenen Parkplatz auf ein Mikrofon in etwa fünf Meter Entfernung einbrüllen. Mensch gewinnt, ist doch klar (immerhin mit so knapp zwei dB Vorsprung). Bedingungen müssen ja nicht vergleichbar sein.
Pinguin gegen Marinetaucher. Der Pinguin darf in einem Tauchcontainer gegen einen Taucher der deutschen Marine antreten. Konkret heißt das: Pinguin wird einfach in das Becken reingeworfen, Taucher kriegt vor seinem Tauchgang Ruhe, Entspannung und darf sich auch einen Bleigürtel umlegen. Der Mensch bewegt sich in Zeitlupe am Boden des Beckens, während der Pinguin munter seine Runden zieht. Er taucht erst auf, als die Sonne verschwindet und es zu regnen anfängt (ja, der Container stand draußen) und somit seine Sonnenflecken am Grund des Containers verschwinden, mit denen der Humboldt-Pinguin spielt, wenn er sonst nichts zu tun hat. Als er für weniger als eine Sekunde auftaucht und gleich wieder verschwindet, hat er verloren. Puh, wieder mal eindeutiger Sieg für den Menschen.
Gepard gegen Extremradler. Zwei handzahme Geparden treten gegen einen Kerl in einem dieser tollen Liegeräder an. Ha, denke ich, als eine Winde für die Fleckentiere aufgebaut wird, die sacken den locker ein. Aber Pustekuchen, nach etwa zwei Sekunden (bei etwa 50 km/h – renn mal einer so fix) verliert er das Interesse an dem an der Winde entlanggezogenen Tuch und guckt umher. Radler erreicht einhundertirgendwas km/h. Mensch gewinnt, klar.
Der letztgenannte Wettkampf wurde übrigens nur einmal durchgeführt, wieso auch immer, zuvor durften die Tiere (und Menschen) immer drei Versuche wagen. Vielleicht hätten sie nicht untrainierte Schoßkätzchen nehmen sollen (wie die die Geschwindigkeit überhaupt ermittelt haben weiß ich immer noch nicht), sondern etwas erfahrenere Renner, denn die erreichen nach drei Sekunden schon mal 100 km/h – und wie auch einigermaßen an den Menschen gewöhnte Geparden rennen, wenn man ihnen ein Tuch vor der Nase vorbeisausen lässt, durfte ich selbst unlängst mehrfach beim Cheetah Conservation Fund beobachten.
RTL scheint es äußerst wichtig gefunden zu haben, den Menschen vor dem Bildschirm mal wieder zu beweisen, wie toll sie doch sind. Nächstes Mal sollten sie vielleicht einen Pinguin als Moderator stellen, im Gegensatz zum unsympathischen Marco Schreyl hatte der nämlich wenigstens Charisma. Und niedlich war er auch noch.
Oktober 29th, 2008 at 15:24
Was schaust du auch RTL? Die meisten Sendungen, die nicht erbärmlich sind, amüsieren durch ihre blanke Dummheit. Wobei – das schließt sich ja nicht einmal aus. Hm.
November 2nd, 2009 at 17:22
Genial, ein wirklich sehr gelungener Artikel
Für die begründete Kritik am deutschen Privatsender RTL von mir 10/10 Punkte!
Markus (auch ^m-o-t-U^ von HLPortal :D)
November 2nd, 2009 at 17:22
Genial, ein wirklich sehr gelungener Artikel
Für die begründete Kritik am deutschen Privatsender RTL von mir 10/10 Punkte!
Markus (auch ^m-o-t-U^ von HLPortal :D)